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Sieben mal Sieben ist feiner Sand

Hallihallo,

seit Dienstag morgen habe ich offiziell die Macht über den flotation tank und das wet-sieving – oder auch das nasse Sieben, wie es übersetzt heißen würde. Die letzten 3 Tage habe ich also damit verbracht Bodenproben zu sieben und mich langsam aber sicher an einen verschlammten Gesamtzustand zu gewöhnen. Morgen muss ich nochmal ran, dann darf ich wieder hoch auf den Berg zur eigentlichen Ausgrabung – genau pünktlich zum Wetterumschwung von sonnig zu regnerisch.

Was ich tue ist folgendes: Ich habe Säcke voller Dreck – nennen wir das Kind beim Namen – und einen Apparat in dem ein grobes Sieb gespannt ist. Der Apparat ist voller Wasser und aus einer Seite läuft Wasser durch ein sehr engmaschiges  Sieb in eine Kiste, von der aus mithilfe einer Pumpe das Wasser wieder in den Apparat gepumpt wird. Ich schütte Dreck in das Wasser im Apparat und zerpflücke mit den Händen Klumpen, drücke sie durch das Netz, sodass nur Steine, Muscheln, Knochen, etc. im Netz zurückbleiben. Gleichzeitig werden Pollen, Pflanzenfaser, Kohle und andere leichte Dinge, die an der Oberfläche schwimmen, im engen Sieb gefangen. Während ich die Erdklumpen durchs Sieb drücke, gehe ich die Restbestände durch und suche nach Knochen, Tonscherben und sonstigen interessanten Dingen. Bisher habe ich einige Zähne und sehr sehr viele Knochenstücke gefunden. Auch Fischwirbelsäulen und eine Scherbe – außerdem viel Kohle, verbrannte Knochen, etc. Nach jedem Sack muss ich Sieb und Netz säubern, sowie die Funde, die schwimmenden Überreste und die Überreste im Netz trocknen lassen und in Tüten füllen. Nach etwa jedem zweiten Sacke muss ich den Schlamm, der sich am Boden gesammelt hat mir einer Kindersandschaufel aus dem Apparat herausschaufeln. Ganz zu Anfang war es super interessant, weil ich lernte all die vielen verschiedenen Dinge zu erkennen (ähnlich wie Kartoffeln sortiere), dann wurde es nervig, da ich ein paar Säcke mit solch feinem und leichten Sand hatte, dass permanent mein Sieb verstopft war. Außerdem musste ich immer jedes Mal mit den schweren vollen schlammigen Eimern auf die andere Straßenseite über einen Parkplatz latschen, damit bloß kein Schlamm in den hauseigenen Abfluss gerät. Und wenn man es schafft den ganzen Tag – Arme abgesehen – einigermaßen schlammfrei zu bleiben, plumpst beim letzten Säubern des Tages ein großer Klumpen Matsch zurück ins Wasser, und ich bin von oben bis unten nass und dreckig. Diese Emotion hat sich aber auch wieder gegeben und mitterweile genieße ich es ehrlich gesagt. Ich hab den Trick raus, mein Sieb verstopft nicht mehr, und wenn ich den Kopf und meinen Blick vom Wasser hebe, sehe ich direkt auf atemberaubende Berglandschaft.

Meine Basis ist im Hinterhof vor der Garage von YSS, der Yorkshire Subterranean Society. Das ist eine Gruppe von sogenannten „cavern“ – in Ermangelung eines besseren Wortes muss ich wohl „Höhlenforscher“ sagen. Mir wurde gesagt, sie seien die Hells Angels der outdoor-community. Ich habe davon echt noch nie was gehört, aber diese Leute erforschen tatsächlich Höhlen als Hobby. Einfach, wenn man umringt ist von Höhlen. Ausgerüstet mit Lampen, wasserfesten Overalls, Seilen und Karabinern, wagen sie sich in Höhlen hinein – niemals allein – und quetschen sich durch die engsten Gänge. Sie sind auch ganz schön neugierig was ich da so mache mit meinem Sieb, und heute hatte ich Besuch von Alan, den ich im Gegenzug dann ebenfalls ausquetschte. Alan ist 70 und noch immer aktiver Caver. Er hat außerdem eine Lizenz zum Sprengen. Letztens hat er einen Gang entdeckt, in den er nur rein kam in dem er einen Handstand machte. Gemeinsam mit anderen Cavern ist er seit drei Jahren dabei jeden Montag eine Höhle zu erkunden und zu erweitern. Sie haben die Höhle gefunden, aber sie war voller Ablagerungen, weswegen sie die Ablagerungen Eimer für Eimer raus transportieren. Dann haben sie einen Tunnel gefunden, der nach unten führt – ebenfalls voll mit Kram, den haben sie auch ausgeräumt und etwas weiter gesprengt, und schließlich eine neue Kammer gefunden. Und so weiter. Ich glaube mittlerweile, entweder Caven bringt einen um oder hält einen jung. Sie haben auch ein Notfallsystem: Jeder Cavingtrupp muss irgendjemanden über ihren Tagesplan aufklären und wer nicht rechtzeitig wieder zurück ist, bekommt einen Rettungstrupp nachgeschickt. Oft bleiben die Caver stecken und kommen nur mit Hilfe wieder raus. Auch Alan ist bereits mehrere Male steckengeblieben. Nach dem Wochenende kann ich mir selbst ein Bild dieses seltsamen Hobbies machen: Alan nimmt mich mit in eine „Anfängerhöhle“.

Hugh gehört zum Digventure Team und kümmert sich hauptsächlich um die 3D-Modelle. Er ist ebenfalls bei YSS stationiert und wenn wir gemeinsam Mittagspause machen, lehrt er mich Yorkshire Dialekt (Ee by gum) und legt mir britische Köstlichkeiten nahe. Auf meiner must-eat-list stehen zusätzlich zu denen von letzter Woche Hobblynob, Branston pickle chutney, olive tapenade, custard, ginger nuts, etc.

Nach dem Sieben heute bin ich außerplanmäßig den Berg zu unseren Gräben hochgekraxelt, da heute Adam, der Drohnenmensch zu Besuch war. Er brachte seine Drohne mit und filmte die gesamte Gegend von oben um ein 3D-Modell zu erstellen. Außerdem machte er Fotos von den Gräben und der Höhle (ebenfalls für 3D). Ich durfte für kurze Zeit ein bisschen graben und stolperte prompt über ein Hasenskelett.

Zurück zum Camp fuhr ich in Adams Landrover und er klärte mich über mittelalterliche Farmtechniken – Rückstände davon sieht man noch immer auf den Hügeln (lynchits & ridge and furrow) auf und erzählte mir von seiner Arbeit. Er ist halb Archäologe und halb Fotograf und reist um die Welt um 3D-Modelle von allen möglichen archäologischen Ausgrabungen. Von England über Spanien zu den Osterinseln… Neid!

Und es ist auch mal wieder viel zu spät! Ich entschuldige mich für diesen wirren Eintrag, aber ich komme nicht hinterher. Zu viele Eindrücke, zu viele interessante Persönlichkeiten, zu wenig Zeit am Laptop. Gute Nacht!

18.8.16 23:37
 
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