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Archäologie im Felde - Tag 1

Ein herzliches Hallo aus den atemberaubenden Yorkshire Dales. Worte können nicht beschreiben, was sich mir hier seit zwei Tagen an Naturschauspiel bietet. In Ermanglung einer besseren Beschreibung nenne ich es jetzt einfach mal: Paradies.

Schon als wir Sonntag Abend in Settle ankamen und durch den wunderschönen idyllischen Ort – der direkt aus einer Inspektor Barnaby Folge zu kommen scheint – fuhren, nur um an unzähligen saftig grünen  Wiesen, Steinmauern, Schafen und Kühen vorbei unseren Campingplatz zu erreichen, dachte ich mir schon: Egal wie schlimm, langweilig oder anstrengend diese Ausgrabung wird, die Umgebung ist es definitiv wert.

Nach Zeltaufbauen, kurzem Briefing, Pizza und Olympia ging es dann auch schon ins Bett und das war auch gut so, denn der nächste Tag hatte glaube ich ungefähr 50 Stunden. Wie immer beim Zelten wurde ich bereits viel zu früh wach – jegliches Bedürfnis nach Schlaf dahingeschwunden. Um kurz nach 6 saß ich bereits vorm Zelt und beobachtete, wie Hasen über den noch schlafenden Campingplatz hoppeln, während es um uns herum immer heller wird. Die Sonne ging über den Bergen hinter mir auf und wärmte mir den Rücken. Die wenigen Wolken am Himmel malten riesige Schatten auf die Hügel und Täler ringsum. Es war wirklich unbeschreibbar.

Abfahr war um 8 – kurzer Stop in Settle, wo wir uns mit Lebensmitteln eindeckten. In Settle ist jedes Jahr im August das Blumentopffestival. Überall kreieren die Bewohner Gebilde aus Blumentöpfen, die Varietät reicht von klitzekleinen zu riesigen und einem zu zehn Töpfen, und von Minions, über Drachen, Lebkuchenmänner, Ehepaar und Bergsteiger ist alles vertreten. Manche sind richtig gut versteckt und es grenzt an Glück sie zu finden, wie zum Beispiel eben jener Bergsteiger, der hoch über dem Dorf an einer Steilwand hängt.

 

 

 

 

 

Mit dem Auto ging es dann über enge Straße an endlosen Weideflächen entlang immer weiter in die Pampa, bis wir schließlich nicht mehr weiterfahren konnten. Die Landrover wurden ausgeladen, alles auf die nächste Weide gelegt, jeder nahm was er tragen konnte und los ging’s. Wenn ich schreibe „alles“, so meine ich damit: 2 Schubkarren, 8 Schaufeln, ein tragbares Klo, ein Klozelt, 4 lange Eisenstangen, 16 Eisenstangen für den Zaun, der Zaun, der ErsteHilfeKasten, der Werkzeugkoffer, Helme, unsere Rucksäcke, Wasser, und und und…

 

 

Das wäre ja nicht so schlimm gewesen, wenn wir unsere Last nicht über zwei Kuhweiden, einen Minifluss, zwei Gatter, und schließlich 450 sehr steile Höhenmeter quer über Wiese, Felsbrocken und Kuhpfade hätten nach oben zur Höhle schleppen müssen. Trotz allem war es eine süße Qual. Was am Abend davor bereits das Herz aufgehen ließ, war hier mehr als verdoppelt. Wir waren umringt von rauer, wunderschöner Natur und als wir nass geschwitzt oben ankamen, hatte sich der Aufstieg ohne Frage gelohnt. Unter sonnigem Himmel konnten wir meilenweit sehen. Unter uns ausgebreitet lagen grüne Täler, die in ebenso grüne Hügel und Berge übergingen. Weidewiesen so weit das Auge reichte – keine Zivilisation – nur unterbrochen von Steinmauern, und gesprenkelt mit kleinen weißen schafförmigen Punkten. Um uns grasten friedliche Highlandkühe, die neugierig zu uns herüber schauten. Mitunter für diese war auch der orangene Zaun, denn wenn so eine Kuh in den Ausgrabungsgraben latscht… nicht so gut.

Eine Weile saßen wir vor der Höhle und genossen den Ausblick. Stein- und Bronzezeitmenschen konnten von hier oben ihre gesamte Welt überblicken. Weiter als über die Berge am Horizont sind die meisten von ihren vermutlich niemals gekommen.

Diese Augenblicke absoluten Friedens wurden nur allzu schnell von einem erneuten Ab- und Aufstieg wieder unterbrochen. Insgesamt liefen wir drei Mal, bis wir alles Nötige oben hatten. Zum Glück bleibt alles bis zum Ende der Ausgrabung in der Höhle, ansonsten wäre allgemeine Meuterei wohl die Folge.

Nach einer kurzen Kletterei auf die Höhle und einer noch besseren Aussicht machten wir uns schließlich an die Arbeit. Zuerst wurden die Gräben abgesteckt. Wir haben die Erlaubnis für einen Graben mit den Maßen 2*7 Meter im Höhleneingang und einen mit 2*2 ein Stück weiter davor, wo sie ein Rundhaus und eine Mauer vermuten. Der nächste Schritt war dann erstmal Gartenarbeit. Wir mussten den gesamten Bereich von Brennnesseln und Disteln säubern, was ein paar Stunden dauerte. Danach ging es los mit der Entfernung der obersten Grasschicht, die wir fein säuberlich neben dem Graben stapeln und am Ende der Ausgrabung wieder zusammenpuzzeln müssen. Das war gar nicht so einfach, da sehr viele Felsbrocken im abgesteckten Graben liegen und die Grasstücke nicht so einfach ausgestochen werden können. Dank meines Militäroveralls habe ich nun auch den Spitznamen Onesie… Ich schätze es gibt schlimmeres.  

Mittagessen gab es dann auf Felsblöcken mit Talblick und ich wurde in die weitreichenden Dimensionen der britischen Essenswelt eingeweiht. Ich bin mir ziemlich sicher, die Briten sind das Vorbild für die Hobbits. Ein Tag sieht folgende Zeiten für Mahlzeiten vor:

Breakfast – Brunch – Elevensies – Lunch – Tea – Dinner – Supper. Dazwischen wird dann auch immer wieder gesnackt. Normalerweise gibt es nach dem Tee allerdings kein Dinner. Deswegen sind beim Tee auch Sandwiches dabei. So viele Rätsel haben sich an diesem Nachmittag gelöst. Des weiteren habe ich malt loaf probiert, eine Art Brotkuchen seltsamer Konsistenz mit Rosinen, das mit den Worten: „Squeeze me. Come on, don’t be shy. There. Feel that? That’s squidgy power that is. Delociously chewy fruitiness bursting with energy to help keep you fuelled up and ready for action…“. Mein neuster Pausensnack

Heute wurde mein geschmacklicher Horizont außerdem durch Haferkekse von den Orkney Inseln, Ginger nuts and pickle chutney erweitert. Wer auch immer sagt die englische Küche habe nichts zu bieten, hat keine Ahnung!! Echt nicht!

Den Abend verbrachten wir damit eine Bronzezeitaxt zu gießen. Einer der Archäologen macht eigentlich experimentelle Archäologie und war ein paar Tage für einen Lehrgang in Schottland. Er hatte also noch einen Bronzezeit-Schmelzofen im Auto und ein paar selbstgegossene Bronzeblöcke. Mit Hilfe von ein paar Hirschhautblasebälgen brachten wir den Ofen ganz schnell auf 2000 Grad und gossen dann mal eben einen Axtkopf… So geht’s!

Heute wurde ich in die geheime Welt des „Nasssiebens“ eingeweiht und habe bereits Zähne, Knochen und Fossile gefunden, aber morgen kann ich wieder hoch auf den Berg. Dann hoffentlich auch wieder mehr. So ne Ausgrabung ist anstrengend! Bettzeit

 

 

 

 

 

 

16.8.16 23:25
 
Letzte Einträge: Yorkshire Ahoi!, Sieben mal Sieben ist feiner Sand, Zurück in die Großstadt, Ein Lebenszeichen, Stauts: Beschäftigt


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(18.8.16 11:40)
eine Art Brotkuchen seltsamer Konsistenz mit Rosinen, das mit den Worten: „Squeeze me. Come on, don’t be shy. There. Feel that? That’s squidgy power that is. Delociously chewy fruitiness bursting with energy to help keep you fuelled up and ready for action…“.
...... und das hat der Brotkuchen tatsächlich zu dir gesagt???? Da war ganz klar Magie im Spiel. Gandalf ! Wo bist du? Zeig dich !

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