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Erste Arbeitserfahrungen...

Hallo ihr Lieben,

 

Kaum zu glauben dass es bereits Freitag ist.
So entspannt die Woche auch begonnen hat, spätestens gestern war es vorbei mit dem Urlaub und ich wurde schneller ein Mitglied der arbeitenden Gesellschaft, als ich gucken konnte.
Aber ich beginne von vorne: Erinnert ihr euch noch daran, dass ich mich Mittwochmorgen vor einer unprofessionellen Verspätung gefürchtet hatte? Pah!

Stattdessen wurde ich Opfer übermotivierten Zufrühkommens. Zwar war klar, dass ich Mittwoch ins Büro kommen sollte, allerdings stellte ich zu spät fest, dass mir keine Uhrzeit vermittelt worden war. Dank meiner kleinen Entdeckungstour vom Vortag hatte ich mich nicht verlaufen und stand, meinen kürzlich erworbenen südeuropäischen Einfluss vergessen, meinem Kulturerbe treu pünktlich um 8 Uhr vorm Gebäude. Da blieb ich dann auch erst mal stehen, da an den Klingelschildern nur mir unbekannte Namen standen und außer mir offensichtlich niemand gedachte durch die Tür zu gehen und was zu arbeiten. Ohne große Hoffnung schrieb ich eine Email und wartete. Nach etwa einer halben Stunde näherte sich der erste Arbeitende Mensch und ich witschte hinter ihm her ins Gebäude. Die nächste Hürde war das Stockwerk. Laut meiner Information musste ich in den vierten Stock. Wenn jedoch weder Aufzug noch Stockwerkbezeichnungen vorhanden sind, woher weiß man ob nach der ersten halben Treppe schon der erste Stock oder noch das Erdgeschoß kommt? Im Angesicht dieses unlösbaren Rätsels, das durch erneute unbekannte Namen an den Türen nur erschwert wurde, setzte ich mich auf die Treppe zwischen dem 3./4. Und 4./5. Stock und ließ die verwunderten Blicke der langsam eintrudelnden arbeitenden Bevölkerung tapfer über mich ergehen.

Es war schließlich kurz vor 10 als eine Frau die Treppe hochkam, die ich kannte. Innerhalb weniger Minuten war ich um ein ganzes Stück klüger: In England arbeitet man für gewöhnlich von 9-17 Uhr (bescheuerte Zeit, meiner Meinung nach). Auch ich werde in Zukunft von 9-17 Uhr arbeiten (Das sie selbst viel zu spät gekommen war, kehren wir mal gutmütig unter den Teppich). Da es ein Start-up Unternehmen ist, sind wir nur Montag und Mittwoch im Büro, die übrigen Tage kann ich arbeiten von wo aus ich möchte (Zuhause, Bibliothek, etc.). Aus demselben Grund haben wir ein Büro, das wir uns mit zig anderen Start-up Unternehmen teilen (darum auch nur fremde Namen am Klingelschild). Normalerweise sind wir nur zu dritt oder viert im Büro und gegen 9:30 (kein Kommentar!) gibt es dann eine Skypekonferenz, in der Aufgaben neu verteilt werden und über Fortschritte berichtet wird.

Das Büro ist zugegebenermaßen beeindruckend. Relativ weit oben gelegen, ist es an drei Seiten von Fenstern umgeben, von denen aus man einen guten Blick über die Stadt hat. Paletten dienen als Abtrennung zwischen einer gut eingerichteten Küche und unzähligen chaotisch eng aneinander stehenden Schreibtischen. Leider waren alle Schreibtische besetzt, da irgendjemand einen Fehler im Belegungsplan gemacht hatte, und wir mussten uns in die Couchecke verziehen. Für den Rest des Tages zog ich alle paar Minuten meine Beine ran, damit irgendjemand Neues an mir vorbeikam… andere Leute zahlen fürs Fitnessstudio.

Der Tag verlief noch recht zäh, da meine zwei richtigen Chefs nicht da waren und der vorhandene Unterchef scheinbar noch nicht so genau wusste, was genau ich zu tun habe.

Das Ziel des Unternehmens ist es, Archäologie an den Laien zu bringen und das funktioniert so. Sie machen Ausgrabungen, die durch crowdfunding finanziert werden. Die für die Ausgrabung benötigte Summe wird veröffentlicht und dann kann jeder, der möchte einen Betrag spenden. Je nach Höhe des Betrages bekommt man dann verschiedene Vorteile – auf jeden Fall aber virtuellen Zugriff auf alle Funde, sowie die Möglichkeit für mindestens einen Tag an der Ausgrabung teilzunehmen. Offenbar spenden sogar viele Menschen, die völlig mit dem virtuellen Zugriff zufrieden sind. Ich glaube irgendwie nicht, dass das in Deutschland funktionieren würde. Das System selbst finde ich ein bisschen problematisch, aber vielleicht ändert sich meine Sicht der Dinge auch noch. Dazu irgendwann mal mehr, jetzt fällt das aus dem Rahmen.

Die Website selbst ist voller Blogs, Fotos und Posts zu den jeweiligen Ausgrabungen, 3D-Abbildungen der Funde werden hochgeladen, gemeinsam mit Beschreibungen und Interpretationen. Community archaeology eben. Und da komme dann ich ins Spiel, da ich nämlich unter anderem ebenfalls Blogeinträge verfassen muss. Mein erster Auftrag war eine spielerische Vorstellung von mir selbst. HA! Ich werde hier nicht erwähnen, wie viele Stunden ich dafür gebraucht habe!

Danach musste ich mich in die zwei kommenden Ausgrabungsprojekte einlesen, an denen ich teilnehmen werde.  Außerdem bekam ich einen schnellen theoretischen Crashkurs in Photogrammetrie – Erstellung von 3D Abbildungen.

Mein erster Arbeitstag neigte sich dem Ende zu und ich erhielt einen weiteren Auftrag, der mich in den folgenden Tagen an den Rand der Verzweiflung bringen sollte. Ich will hier nochmal klarstellen: Ich bin kein Archäologe und habe von Archäologie soviel Ahnung wie Steinzeitmenschen von Raumfahrt – trotzdem sollte ich jetzt einen Blog über die Entstehung von Höhlen und Höhlenablagerungen schreiben (die nächste Ausgrabung führt uns nämlich in eine Kalksteinhöhle in Yorkshire). Ich bekam ein paar wissenschaftliche geoarchäologische Texte, sowie die Anweisung das Ganze nicht zu wissenschaftlich zu schreiben, sondern gut verständlich für Laien zu schreiben. Theoretisch also für Menschen wie mich selbst.
Nur um das nochmal klar zu machen. Ich las mich während der letzten drei Tage in ein mir völlig unbekanntes wissenschaftliches Feld ein, nur um das dann wiederum in einen allgemein verständlichen Blog zu übersetzen. Ich hätte mal besser bei der Sendung mit der Maus nachgeguckt – aber das fällt mir jetzt erst ein.
Ich war mir zwischenzeitlich wirklich nicht sicher, ob ich das hinkriege. Die Texte strotzten nur so vor Fachausdrücken – natürlich auf English – die, wenn ich sie übersetzte, zu gleich aussehenden, ebenso fremden deutschen Fachausdrücken wurden. Oftmals konnte ich mir den Sinn nicht durch den Kontext herleiten und suchte nach Definitionen. Die Begriffe wurde aber wiederum durch andere mir völlig fremde Worte erklärt, die ich wiederum nachsehen musste, bis ich mich in einer endlosen Fachbegriffspirale verlor. Nach dem ich dann endlich wusste was ein Karst ist, hatte ich schon wieder vergessen was jetzt genau solifluktion bedeutete oder was passiert wenn calcit von permeating water precipitates. Wenigstens kann ich jetzt Stalaktiten und Stalagmiten auseinanderhalten.
Mein Text ist fertig und ich glaube ich bin auf dem besten Weg zum Höhlenspezialist!

Gestern und heute arbeitete ich von zuhause aus und stellte nach zwei Skypekonferenzen recht schnell fest, dass ich wirklich sehr selbstorganisiert arbeiten muss. Ich besitze jetzt ein unübersichtliches Sammelsurium an Zugangsdaten zu allen möglichen Portalen und Foren, sowie eine super professionelle Emailadresse. Zusätzlich zu meinem Selbststudium der Höhlenformation bekam ich außerdem noch fünf zusätzliche Aufträge, die ich irgendwann irgendwie machen musste. Im Laufe der nächsten Woche muss ich außerdem Funde beschreiben. Das wird auch noch lustig, kann ich doch eine Fibel ohne Nadel nicht von einer Münze unterscheiden, geschweige denn ein Nashornhorn von einem Babyelefantenzahn. Offensichtlich besteht aber Vertrauen in meine Fähigkeiten – ich habe mich ehrlich gesagt ja auch schon selbst überrascht.

Last but not least: Ich bin jetzt auch schlauer was meine längerfristigen Aufgaben sein werden. In Yorkshire werde ich die Aufsicht über den „flotation tank“ haben. Einen Apparat, der die Höhlenproben reinigt und aus den unterschiedlichen Schichten Information extrahiert. Ich bin gespannt! Des Weiteren werde ich gemeinsam mit dem hauseigenen Höhlenarchäologen den Abschlussbericht über das Höhlenprojekt schreiben. Nicht unbedingt wenig Verantwortung.

Ich glaube das war’s jetzt auch tatsächlich erst mal – ich habe vergessen zu erwähnen, dass die Arbeit bisher definitiv Spaß macht – ich erleuchte euch zum Abschied mal noch mit zwei Einkaufsanekdötchen:
1. Heute habe ich im Lidl gescheites Brot gefunden. Die Absurdität der Beschriftung möchte ich euch aber keinesfalls vorenthalten. Es handelt sich dabei um das dunkle dünnscheibige dänische Roggenbrot mit Körnern, an das ich mittlerweile so gewöhnt bin. Auf dem Schild steht „Real German Rye Bread“ – echtes deutsches Roggenbrot – während auf der Packung steht „Maître Jean-Pierre Rye Bread“….
2. Einkaufen in England ist insofern schlauer organisiert, als dass es zwar bis zu neun Kassen gibt, jedoch nur eine Schlange. Diese Schlange schlängelt sich dann zwar unter Umständen ziemlich weit ins Geschäft hinein, aber wenn eine neue Kasse aufgemacht wird, stürzt niemand vor, drängelt oder beschwert sich. Alle bleiben brav stehen und warten bis die nächste Kasse frei wird. Es gibt auch kein Band, sondern nur eine kleine Ablage. Und wenn er gut gelaunt ist – so wie meiner heute – hilft der Kassierer sogar beim ein- und auspacken.

5.8.16 22:56
 
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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(5.8.16 23:14)
Tja, die Briten waren schon immer berühmt dafür dass sie vorbildlich 'Schlange stehen'. Sie haben das Schlange stehen quasi erfunden .


(5.8.16 23:28)
Ja.... an der Bushaltestelle

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