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Freiheit, Frost und Frustration ( - eine Alliteration (und ein Reim))

Lang lang ist’s her – länger als ein Monat – und da der letzte Eintrag hauptsächlich als Cover für meinen teuflischen Plan, heimlich über Weihnachten doch nach Deutschland zurück zu kommen, gedient hatte, war ein Großteil der darin überlieferten Informationen sowieso leider falsch. Ich entschuldige mich hiermit offiziell für mein Verschwörungsgen, das allerdings auch nur meine direkte Blutlinie täuschen konnte. Zwei Onkels waren einfach nicht reinzulegen.

Allerdings zeigte sich zu Beginn meines Deutschlandaufenthalts dann doch, dass derlei anderNaseherumführerei mieses Karma nach sich zieht. In Wuppertal landete ich fast auf dem Abstellgleis, nachdem ich intelligenterweise in einen Zug gestiegen bin auf dem angeblich „Nicht einsteigen“ gestanden hatte – bis heute glaube ich da nicht so recht dran. Ich wunderte mich zwar, dass außer mir nur noch eine Frau im Zug saß, begann mich aber erst zu sorgen, als der Zug anfuhr und plötzlich alle Lichter ausgingen. Während der Zug immer schneller wurde, bemerkte ich dieselbe Verwirrung, die sich in mir breit machte, im Gesicht der Frau, die ein paar Plätze weiter saß…

Als uns die Sache immer unheimlicher wurde machten wir uns auf den langen Weg durch einen völlig leeren und stockdunklen Zug nach vorne zum Lokführer, der uns erst mal gehörig in den Senkel und unsere Zurechnungsfähigkeit in Frage stellte – dabei schimpfte er vor sich hin wie ein Rohrspatz.

Schließlich warf er uns auf einem Bahnsteig irgendwo im nirgendwo gemeinsam mit unserem verletzten Stolz aus dem Zug. Zu meiner Verteidigung kann ich anführen, dass ich zu dieser Stunde schon über 12 Stunden Reise hinter mir hatte und meine Reisebegleiterin des Zufalls erzählte mir, dass sie seit Jahren jeden Tag zu dieser Zeit diesen Zug nehme nach der Arbeit…. Es kann also nicht nur an uns gelegen haben. Wenigstens habe ich jetzt mal eine Lokführerkabine von innen gesehen

Als Papa Jonas und mich am Bahnhof abholte und selbstverständlich nur Jonas erwartete, zeigte sich mein Karma erneut, da für mich kein Platz im Auto eingeplant wurde und somit zuerst einmal nur mein Koffer mitfahren durfte.

In Saarbrücken wurde die Überraschung durch absolut unwahrscheinlichen Zufall fast zunichte gemacht, als ich plötzlich Günther in die Arme lief. Glücklicherweise aktivierten sich meine Geheimagentengene automatisch und sofort und er hat mich tatsächlich nicht gesehen. Allerdings kann ich offensichtlich 50% meiner Onkel sowieso nichts vormachen, da diese trotz meiner Ankündigung der festen Überzeugung gewesen waren, dass ich zu Weihnachten sowieso nach Hause komme.

Der Ausdruck auf den Gesichtern der Omas war jedoch alle Strapazen und Heimlichtuerei (und eiskalter Lügen) wert, auch wenn Mama es in letzter Minute fast noch vergeigt hätte :D

Leider war meine Vorweihnachtszeit wie bereits erwähnt von meinem Assignment überschattet, was in keinster Weise gelogen war. Ich hatte 10 Tage für 15 Seiten und musste in diesem Zeitraum auch noch einen Berg an Literatur lesen. Keine Ahnung wie ich das, wofür ich in Deutschland 2 Monate Zeit gehabt habe, in diesen paar Tagen geschafft habe, von denen ich an Zweien auch noch durch die Gegend reiste. Die letzten paar Tage schrieb ich täglich bis 2 oder 3 Uhr morgens und am letzten Tag machte ich die Nacht durch, schlief von 6-10, schrieb dann noch meine Einleitung und ging über alles drüber und schickte um halb 2 Uhr schließlich mit einer halben Stunde Puffer ab….

Am 29. Dezember musste ich die Heimat dann wieder verlassen und fuhr zurück. Silvester war ein Erlebnis für sich, denn die Dänen haben ein so beeindruckendes Böller-Durchhaltevermögen, dass zudem nicht durch ein zeitlich begrenztes Böllerfenster eingeschränkt wird.
Um 4 Uhr nachmittag ging es los und hörte nicht auf bis um 2 Uhr nachts. Ich übertreibe nicht. In meinem kleinen Örtchen fabrizierten die Dänen in offensichtlich unabgesprochener Zusammenarbeit ein 10-stündiges Feuerwerk.

Eine Woche lang wurde ich aufs Kulinarischste verköstigt, dann war ich wieder allein und fiel zurück in die Kargheit meiner eigenen Kochkünste, die ich noch nicht einmal anwenden konnte, da ab dem 7. Januar die Vorbereitungen für die mündliche Prüfung begann. Wir hatten Berge (!) an Texten zu lesen, Fälle zu studieren und Gesetze- und Konventionsabläufe auswendig zu lernen.
10 Tage lang trafen wir uns morgens um 9 zu dritt oder fünft in der Bibliothek, lernten jeder für sich bis 18 Uhr und zogen dann um zu Kimberly oder Clémentine zum Abendessen, wo wir dann noch bis 23 Uhr diskutierten und Einfälle sammelten und teilten. Es war eine harte Zeit, aber auch von Gemeinschaft geprägt. Je mehr Tage vergangen, desto abgedrehter wurden wir in unserer Verzweiflung.

Nachdem alle über Weihnachten zuhause gewesen waren, zeigte sich auch ein weiterer Vorteil unser Internationalität: Das Tauschen von Lebensmitteln.
Somit tauschte ich Sauerkraut und Leberwurst gegen Kalamataoliven, Hot tamales, Mandarinen aus dem Garten, Harzkaugummi und sehr leckeren Käse, der in einer Organtransportierkiste importiert worden war und die Bibliothek (Ort der Übergabe) für den Rest des Tages verpestete.  

Die Prüfung war für mich am 14.1. und ich hatte so ein unglaubliches Glück. Ein paar von uns hatten schon am Tag zuvor ihre Prüfung gehabt und es gab eine feste Anzahl an Fragen, von denen man eine ziehen musste. Iro zog die Museen und erzählte uns später, dass sie das Blatt Papier vor lauter Nervosität so verkrumpelt hatte, dass es nun sehr offensichtlich sei, welches es ist.
Als ich schließlich in den Raum kam und die Zettel auf dem Tisch liegen sah, sah ich sofort welcher davon Iro zum Opfer gefallen war. Ich war sehr versucht diesen Zettel zu nehmen, da ich sehr gut auf das Museumsthema vorbereitet war. Schließlich entschloss ich mich aber dazu, mich dem Zufall anzuvertrauen und zog das Thema Privatsektor. Das Thema, für das ich am schlechtesten vorbereitet war, da ich nicht mehr alle Texte habe lesen können und auch ansonsten nicht so der King in Business bin. In der halben Stunde Vorbereitungszeit fielen mir dann aber all die Dinge ein, die wir an den langen Abenden gemeinsam besprochen hatten und in den letzten 5 Minuten bescherte mit ein spontaner Geistesblitz dann auch noch eine gute Struktur und sogar ein Fazit… Ich rockte die Prüfung. So sehr, dass am Schluss keine richtigen Fragen mehr übrig waren, die sie mich hätten fragen können. Ich war so unglaublich erleichtert und so unglaublich dankbar für die ganze Vorbereitungszeit mit der klugen Businessfrancesca.

Daraufhin folgten 1 ½ Wochen seeliger Freiheit, die wir mit Filmeabenden, Strandspaziergängen, Brettspieltagen, Schlittenfahren, Kuchen essen und leider auch Praktikumssuchen verbrachten. Außerdem bin ich fleißig dabei, die Freuden von Wizard in so viele Länder wie möglich zu missionieren.

Gleichzeitig hielt der Winter Aarhus in eisigem Griff, es schneite und war bisweilen bis zu -10 Grad kalt. In Hafennähe war es besonders ungemütlich, da Wind die -10 Grad in alle Ritzen hineindrängte.

Erneute langanhaltende und tiefe Frustration wurde mir mal wieder von der dänischen Bürokratie beschert. Die ersten Tage zurück in Dänemark hatte ich beispielsweise kein Internet mehr, da mein Stick leer war und ich neues bestellen musste, was jedoch nicht einfach über den Stick ging. Nein. Ich musste 5 Tage waren, bis sie mir eine neue Simkarte schickten.
Des Weiteren bekam ich einen Tag vor meiner Prüfung ein neues Zimmerangebot. Leider allerdings schon für ab dem 15. Februar, was bedeutete, dass ich mein altes Zimmer noch nicht einmal einen Monat im Voraus kündigen könnte, da ich die Antwort, ob ich das Zimmer tatsächlich bekomme oder nicht, erst am 18. bekommen würde. Eigentlich beträgt meine Kündigungsfrist ja aber sogar drei Monate und nur im günstigen Fall, falls ein Nachmieter gefunden werden kann, 6 Wochen. Da ich aber auch nur noch einmal ein Angebot ablehnen konnte, befand ich mich in der Zwickmühle.

Den ersten Tag meiner kostbaren Freizeit verbrachte ich also dann damit zur Agentur zu fahren, die mir aber nicht weiterhelfen konnte. Eigentlich wollte ich nur wissen, ob es möglich ist irgendwie vor dem 15. Januar zu erfahren, ob bereits jemand, der vor mir auf der Liste steht für das Zimmer zugesagt hat. Dann hätte ich nämlich ohne Bedenken ebenfalls zusagen können, ohne mir Sorgen um die Kündigung machen zu müssen und ohne meinen Status in der Agentur zu verlieren.
Aber nein! Das läuft alles automatisch und sie haben erst Einsicht in die Liste und die Antworten, wenn der Zeitraum vorbei ist, demnach würde ich erst Montags Bescheid bekommen, aber wenn ich Montags nichts von ihnen höre, dann hätte ich das Zimmer nicht. Ich sah mir das Zimmer trotzdem an und es ist perfekt. Es ist wieder ein kleines Häuschen, so nah an der Uni, viel billiger als meine momentane Unterkunft und hat sogar einen kleinen Garten. Dementsprechend sagte ich zu und hoffte auf eine positive Antwort. Doch Montag verstrich, ich bekam keine Rückmeldung und versöhnte mich mit dem Gedanken weiterhin am Hinterteil der Welt zu leben, mir jedoch auch keine Sorgen über eventuelle doppelte Miete machen zu müssen.
Dienstag NACHMITTAG bekam ich dann eine Email auf Dänisch, bei der ich zuerst überhaupt nicht durchblickte, in denen man mich fragte, ob ich noch an dem Zimmer interessiert sei und wo sie den Mietvertrag hinschicken sollen…. Meine Freude war leicht gemindert durch die Tatsache, dass ich in einem vorigen Gespräch mit meinen jetzigen Vermietern versprochen hatte, mich bis Montag mit einer endgültigen Antwort zu melden, ob ich denn nun zum 15. Februar ausziehe oder nicht …

Meine Nachforschungen gingen nun entsprechend frustrierend weiter. Zwar wurde mir versprochen, dass sie sich um einen Nachmieter ab dem 01.03. bemühen, doch weder meine Vermieter, noch die Agentur über die sie ihre Mieter finden (und die sich schon so oft als super hilfreich herausgestellt hat -.-) können mir sagen, wie sicher das ist oder ab wann ich dann benachrichtigt werde. Ich habe bereits mehrere Emails geschrieben und grundsätzlich wird immer nur eine meiner mindestens drei Fragen beantwortet. Vielleicht existiert in Dänemark eine One-question-only-policy…
Da mein jetziges Zimmer auch von der Agentur über dasselbe Listensystem vermittelt wird mit dem ich schon gekämpft habe, habe ich keinerlei Möglichkeit selbst einen Nachmieter zu finden (obwohl es einige Leute gibt, die tatsächlich eine Unterkunft suchen). Ich habe direkt gefragt, ob ich, wenn über die Liste niemand interessiert ist, selbst jemanden weiterleiten könnte, doch die Antwort war: „Nein, wir müssen uns an die Liste halten!“, was doch super unlogisch ist, wenn niemand auf der Liste ist… Aber alles Nachhaken hat offensichtlich keinen Sinn und somit habe ich mich jetzt in mein Schicksal gefügt und freue mich auf den Umzug und auf die Tatsache, dass ich bald nicht mehr 1 ½ Stunden Anreise zur Uni habe, sondern nur noch 20 min.

Nervig ist nur, dass tatsächlich ganz viel Korrespondenz auf Businessdänisch von statten geht und auch so mysteriöse Dinge betrifft wie eine Rechnung für eine Wohnungsagentur, die ich noch nie benutzt habe, was aber irgendwie über meine neuen Vermieter läuft, ich aber doch nicht bezahlen muss, wie Niels freundlicherweise für mich bei einem Telefonat herausgefunden hat. Überhaupt bin ich so super dankbar für all die Leute, die ich mittlerweile hier oben habe. Niels hat mich auch auf Boligstøtte hingewiesen, Wohnungsgeld, auf dass ich, nun da ich tatsächlich in einem Minihäuschen leben würde, eventuell Anspruch habe. Mit seiner Hilfe habe ich das beantragt und jetzt schau ich mal …

 

Meine unermüdliche Jobsuche hat insofern Früchte getragen, als dass ich einen 4 tägigen Minijob als Telefoninterviewer bekommen habe. Von Montag bis Donnerstag habe ich im Auftrag einer Firma bei anderen Firmen in Deutschland angerufen und befragte sie zu Service und Zufriedenheit. Wie das Schicksal es so will fiel mir doch tatsächlich das Saarland zu und ich musste sogar bei der Uni anrufen. Ich würde lügen, würde ich verleugnen dass mir bei dem schweren Dialekt so manches saarländischen Mitarbeiters nicht das Herz aufging vor lauter Heimatgefühl. Bisweilen verließ ich dann auch unvermittelt das unpersönliche Hochdeutsch. An sich kann  ich mich echt nicht beschweren. Die meisten Leute sind sehr freundlich. Wenn mich allerdings vier unterschiedliche Nummern immer wieder bei derselben Sekretärin landen lassen, dann ist es nicht verwunderlich wenn diese beim vierten Mal den Hörer annimmt und mich genervt mit: „Wenn wollen Sie denn diesmal erreichen“ begrüßt. 

Donnerstag bekam ich dann plötzlich lauter Nummern aus Luxemburg, bei denen nur Franzosen antworteten, die nicht genug deutsch für einen Fragebogen konnten, bei dem selbst ich nur 70% der Fragen verstand. Schließlich musste ich dann den französischen Fragebogen vorlesen, bei dem ich noch nicht einmal mehr 20% verstand. Aber was tut man nicht alles für die Miete…

Während in Deutschland in 2 ½ Wochen die Semesterferien beginnen, bestanden meine Semesterferien somit aus insgesamt 2 Wochen und das nächste Semester begann schon wieder gestern. Letzte Woche wurden die Kurspläne verschickt und auch wenn der auf uns zu kommende Arbeitsaufwand mal wieder überwältigend ist, macht der Großteil des Kursinhaltes das wieder wett. Viel Projektarbeit kommt auf uns zu und ich sehne mich so sehr danach endlich das Gelernte anzuwenden, dass ich es kaum erwarten kann.

2.2.16 16:39
 
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